Generalleutnant Vincenz Müller – Vom Kaiser über Hitler zur NVA

Von Bundesarchiv, Bild 183-44786-0002 / Heilig, Walter / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link
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Generalleutnant Vincenz Müller

Leben und Ausbildung von Vincenz Müller

Vincenz Müller wurde am 5. November 1894 in Aichach, Oberbayern geboren. Müller war Generalleutnant der Wehrmacht und der Nationalen Volksarmee der DDR.

Vincenz Müller war ein Offizier des Kaisers, des Reichspräsidenten Hindenburg und später Hitlers – trotzdem wurde er mit dem Aufbau der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR beauftragt.

Dabei war eine Karriere beim Militär nicht geplant. Der Sohn des Gerbermeisters Ferdinand Müller und seiner Frau Viktoria sollte nach den Wünschen seiner Eltern entweder Arzt oder Priester werden. Die aufgeheizte Stimmung zur damaligen Zeit ließ ihn jedoch seine Leidenschaft fürs Militär entdecken.

Nach seinem Abitur am St.-Michaels-Gymnasium der Benediktiner-Abtei Metten begann der junge Vincenz Müller eine Laufbahn als Berufsoffizier der Pioniertruppe und trat zunächst in die bayerische Armee ein. Es dauerte nicht lange, bis er zur württembergischen Armee wechselte.

Generalleutnant Vincenz Müller in der NVA der DDR

Erster Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg begann Müller seine Laufbahn als Leutnant, zog sich jedoch gleich im ersten Kriegsjahr in den Vogesen eine schwere Verwundung zu. 

Bereits Juni 1915 wurde er mit ihm 250 unterstellten Soldaten nach Konstantinopel in der Türkei versetzt. Fünf Monate später ging es nach Bagdad. Dem Tod auf dem Schlachtfeld konnte Müller entgehen, doch im Winter 1916 erkrankte er an Typhus und Malaria und kehrte zum Lazarettaufenthalt nach Ulm zurück.

Im Juni 1917 meldete Vincenz Müller sich freiwillig als Taktik-Lehrer an der Pionieroffiziersschule in Caspali im Osmanischen Reich. Anfang 1918 zog es Müller bis zum Kriegsende wieder in den Kampf, er diente an der Westfront.

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges war Vincenz Müller Zugführer im Ulmer Pionier-Bataillon und beim Wehrkreiskommando V in Stuttgart. Mit 29 Jahren wechselte er 1923 in das Reichswehrministerium nach Berlin. Hier gehörte Müller bis 1933 zum Kreis der Mitarbeiter von Kurt von Schleicher.

in den Jahren 1926 bis 1927 absolvierte der ehrgeizige Müller eine Generalstabsausbildung und wurde 1927 sogleich zum Major befördert. Er kehrte anschließend in das Reichswehrministerium zurück, wo er bis 1931 in der politischen Abteilung diente.

Es folgte eine Berufung zum Kompaniechef beim Pionierbataillon 7 in München, wo er als Berater beim Befehlshaber des Wehrkreises III in Berlin tätig war.

Am 20. Juli 1932 setzte Vincenz Müller die preußischen Regierung ab und verhaftete die Polizeiführung. Das geschah auf Weisung des Ministers Schleicher und des Befehlshabers Rundstedt.

Nationalsozialismus

Als Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, diente Müller von 1933 bis 1935 als Leiter des Aufbaus der Mobilmachungsorgane im Generalstab des Wehrkreiskommando VII unter General Wilhelm Adam. Danach war er bis 1937 Leiter der Gruppe Mobilmachung im Heeres Generalstab.

Eine Schulung in der Wehrmachtakademie schob Müller auf der militärischen Leiter nach oben, von 1938 bis 1940 verrichtete er Dienst als Erster Generalstabsoffizier der Heeresgruppe 2 in Kassel, wo er zum Oberst befördert wurde.

Verschwörung gegen Hitler

Bereits 1939 war Vincenz Müller Mittwisser in einer Verschwörung gegen Hitler. Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben und Generaloberst Kurt von Hammerstein-Equord hatten das Ziel, Hitler und Göring zu stürzen, jedoch blieb der Versuch erfolglos.

Zweiter Weltkrieg

Von 1940 bis 1943 diente Vincenz Müller als Stabschef der 17. Armee im Südabschnitt der Ostfront. 1943 erfolgten seine Ernennung zum Generalmajor und sein Dienst als Kommandeur der 56. Infanterie-Division
Im Sommer 1944 versuchte Vincenz Müller vergeblich der Einkesselung durch die Rote Armee zu entgehen. Am 8. Juli 1944 begibt sich Müller auf die sowjetische Seite und lässt sich gefangen nehmen. Per Flugblatt forderte er seine Truppen auf die Waffen niederzulegen, was zahlreichen Soldaten das Leben rettete.

Müller trat danach dem Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD), dem Bund Deutscher Offiziere (BDO) bei und absolvierte in Krasnogorsk eine Antifa-Schule.

Sein Wirken in der NVA der DDR

Nach seiner Entlassung aus sowjetischer Haft trat Mueller der NDPD bei. Von 1949 bis 1952 war er erster stellvertretender Vorsitzender der Partei und stellvertretender Vorsitzender der Volkskammer.
Vincenz Müller leitete ab 1949 als Chefinspektor der Volkspolizei die militärische Entwicklung der DDR.

Die Stasi (Ministerium für Staatssicherheit, MfS) überwachte ab Oktober 1952 Vincenz Müller. Spitzel war sein persönlicher Sekretär, Hauptmann Heinz Sperling.

1953 wurde Vincenz Müller zum Generalleutnant befördert. Gleichzeitig wurde Müller zum Chef der Kasernierten Volkspolizei (KVP) ernannt. Als die KVP in die NVA umgewandelt wurde, wechselte Müller 1956 als Chef des Hauptstabes der NVA in das Ministerium für Nationale Verteidigung. Damit einher zog eine Beförderung zum Stellvertreter des damaligen Innen- und späteren Verteidigungsministers Willi Stoph.

Vincenz Müller war zu diesem Zeitpunkt der Ranghöchste ehemaligen Offiziere der Wehrmacht in den Streitkräften der DDR.

Ab 1957 wurden alle ehemaligen Offiziere der Wehrmacht aus der NVA entlassen und pensioniert, so auch Vincenz Müller im Februar 1958. Diese Entscheidungen resultierten aus einen Beschluss des Politbüros der SED vom 15. Februar 1957.

Sein Tod

Am 12. Mai 1961 beging Müller Selbstmord. Er sprang von der Loggia seines Hauses in Berliner Schmöckwitz (Ost-Berlin). Bald darauf flohen Müllers Sohn und seine Schwiegertochter in die BRD. Über den Selbstmord schwiegen die DDR-Nachrichten.

Heinz Sperling, sein ehemaliger Privatsekretär und Spitzel, schrieb 1997 in einem Beitrag für die „Neue Deutsche Biographie“ von einem „wahrscheinlichen Freitod“. 1998 sprach er dann gegenüber Fernsehjournalisten von einem „möglichen Unfalltod“.

Auszeichnungen

  • Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse
  • Verwundetenabzeichen (1918) in Schwarz
  • Ritterkreuz II. Klasse des Friedrichs-Ordens mit Schwertern
  • Mecidiye-Orden V. Klasse mit Säbeln
  • Liakat-Medaille in Silber mit Schwertern
  • Eiserner Halbmond
  • Wiederholungsspange zum Eisernen Kreuz (1939) II. und I. Klasse
  • Deutsches Kreuz in Gold am 26. Januar 1942
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 7. April 1944
  • Vaterländischer Verdienstorden der DDR in Gold

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